"Wenn ich das Bedürfnis habe, aus der Welt der Sprache zu fliehen, gehe ich in die Welt der Musik. Und wenn ich dort wieder eine Sprache brauche, um mich auszudrücken, wende ich mich der Poesie zu." (M.L.)

Mikyoung Lee ist 1996 in Seoul, Südkorea,  geboren. Von 2015-2019 studierte sie an der Seoul National University Komposition. 2019 kam sie nach Deutschland und setzte ihr Studium an der Universität Mozarteum in Salzburg fort. Seit 2023 studiert sie Filmmusik (zweites Masterstudium) an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Mikyoung hat mit zahlreichen Orchestern in  Österreich, Deutschland und Südkorea und mit Künstlern aus unterschiedlichen Bereichen zusammengearbeitet. Sie schrieb bereits mehrere Gedichte und Stücke für Gesang, darunter Chorwerke, für Musiktheater und Vokalensemble. Seit 2015  ist Mikyoung Lee freiberufliche Komponistin, Arrangeurin und Klavierbegleiterin.

"Lass uns zusammen Mitternachts auf einen Ball gehen,/auf dem faule Ameisen singen/
und fleißige Grillen für den Winter vorsorgen/Auf der Welt,/in der Eulen ein Nickerchen machen/
und Fledermäuse auf den sonnigen Tag warten,/schwimmen Tausendfüßler mit Rettungswesten […]
Wir haben nichts in der Hand,/aber bald ist die Faust voller Wolken./
Der graue Himmel ohne Wolken wird strahlend bunt." 
(Zeilen aus: "Einladung zu einer bunten grauen Welt")

Tonaufnahme: Orchester für Zeitgenössische Musik Salzburg, 25.06.2024. 
Orchesterleiter: Kai Röhrig. Tonmeister: Geunhan Kim, Stimme: Yeji Cho

" […] es macht mir Spaß meine Themen in Kontexte zu setzen in denen sie eigentlich nicht zu finden sind und zum Beispiel etwas klar Konnotiertes wie „einen Notenschlüssel zeichnen“ auf seine Doppel- oder Mehrdeutigkeit zu untersuchen […] Ich denke, dass die musikalische Interpretation durch die bewusste Dissonanz zusätzliche Bedeutungsebenen öffnet, allerdings eher welche die den zwischenmenschlichen Konflikt schon früher erahnen lassen als es der Text preisgibt […] wie man oft unterbewusst schon eine Vorahnung hat, bevor es zu einer Erkenntnis kommt."

Nina-Sophie Raach, geboren 2001 in Tettnang, lebt in Weimar. Dort studiert sie Visuelle Kommunikation. Schon im Deutschunterricht hatte sie Spaß am Lesen und Interpretieren. Bei Dichtkunst und Musik würde sie fast schon von Wohngemeinschaft statt Nachbarschaft sprechen. Ihr Gedicht „Duett“, diese „zweistimmige Partitur mit Augenbrauenauftakt“ (N.S.R.), gewinnt im Podcast hörbare Kontur. Nina-Sophie ist Preisträgerin des Bundeswettbewerbs für junge Lyrik 2022.

Zeilen aus dem Gedicht: "Duett":
"[…] du: bringst mich aus dem takt/ ich: bin aus dem takt gebracht/
du: hast vergessen wie man einen notenschlüssel zeichnet/
ich: denke du wusstest das noch nie/wir beide: haben keine unbeschriebenen blätter mehr […]
du: bist durchs notenblatt gefallen beim versuch an der oktave hochzuklettern/
ich: breche durch die tonleiter/wir beide: können gar nicht so hoch singen[…]" 

Eine Musikcollage von „Onomatopoeia“: Tom Schulze, Michel Schulze, Sebastian Klug

"[…]Das Mundstück, das aus Holz gefertigt wird,/sitzt auf einem Korpus aus Grenadillholz,/
abgeschlossen von dem Schallstück,/aus dem dunkle Töne ins Meer abtreiben./
Ein Blatt aus Pfeilrohr fügt sich in die Klammer des Gehäuses, ein Container aus Rohstoffen.
Ich setze das Instrument an die Lippen, nehme einen Schluck./Kehlen verschlingen, das Kehlige […]"
(Zeilen aus dem Gedicht: Eine Klarinette in meinen Händen)

Johanna Losacker, geboren 1999 in Hannover, lebt in Berlin und studiert Geschichte und Sozialwissenschaften. 2013 erhielt sie den 2. und 2014 den 3. Preis beim HAZ-Schreibwettbewerb. Die Teilnehmerin der young und open poems schreibt Lyrik und Prosa.

"[…] Die klobige Klarinette in den Armen, das Bevorstehende./Der Sturz des Tons, wird zurückgedreht,/ zurückgerudert ins Scheitern. Das quere, das Sinfonische./Erschrockener Blick. Ein grausames blaues eintauchen;/Das Lachen, das verstummte. 
hervorgeplatzte spröde Lippen im Winter/als schwöbe sie, Stahlkappen und Sägen. Die Kurve aus Stahl, die sich um mich legt,/die Fortsetzung ihrer Luftröhre. Wie im raum ein hoher, unangemessener Ton entschlüpft,/eine singende Harpune […]"
(Zeilen aus dem Gedicht: Eine Klarinette in meinen Händen)